Dieses Board stellt nicht die offizielle Meinung der Hochschule für Bildende Künste–Städelschule dar.Dieses Board stellt nicht die offizielle Meinung der Hochschule für Bildende Künste–Städelschule dar. Dieses Board stellt nicht die offizielle Meinung der Hochschule für Bildende Künste–Städelschule dar. 

O liana

E.M.C. Collard

Eröffnung: 22.11.2019, 19 - 22 Uhr
Kuratiert von Goekhan Erdogan

Das namensgebende Werk O liana – (2019, Acryl auf Leinwand, 60 x 40 cm) zeigt verschlungenes Geäst in Abstufungen von Giftgrün. Auf hellgelbem, undefiniertem Hintergrund schlängeln sich Pflanzenteile übereinander, eine zu einem Oval geformte Liane umschlingt Bildmittelpunkt: Aus ihrer Form leitet sich das „O“ im Titel ab. Die ebenfalls grünen Blüten mit kugelförmigen Staubbeuteln lassen sich, ob ihrer Farbe, erst auf den zweiten Blick ausmachen. Die Arbeit gehört zu Collards 2014 begonnen Malereiserie g.p.t.s.t.s.n. - a genealogy of plants that stand in the shade at night (zu deutsch: eine Genealogie der Pflanzen, die Nachts im Schatten stehen), welche Natur – oder zumindest das, was uns zunächst an Natur erinnert – umsetzt als seltsame Blütenportraits, labyrinthisches Astwerk, entfesseltes Ornament. Wieder geht es der 1981 in Frankfurt geborenen Künstlerin, die ihren Masterabschluss 2006 am Royal College in London machte, um Material. Sowohl darum, wie das Arbeitsmaterial „Farbe“ verwendet wird – oft pastos, in Schichten aufgetragen, die sich knubbelig auf der Leinwand aufbauen und teilweise wieder abgeschabt und nochmals überarbeitet werden, daneben dünn und transparent –, als auch um Stofflichkeit im weiteren Sinne: einerseits um Pflanzenmaterial, Chlorophyll produzierender, lebender Masse, andererseits um unsere eigene, körperliche Materialität, die wir von innen heraus erfahren.

Denn während die Strukturen auf den Leinwänden dezidiert im Pflanzenreich bleiben – dies wird signalisiert durch Blattwerk, Blüten, Wassertropfen, etc. – ist ihre Gegenständlichkeit oft auf eine Art reduziert, die weit genug greift, um Anklänge an andere Dinge einzuschließen. Zeigten die ersten Arbeiten der Serie noch Überlagerungen von Frauengesichtern und Pflanzen, die auf fotografischem Material basierten, so fing es von dem introspektiv-analytischen Kernansatz her schnell an, zu wuchern: Die „Pflanzen“ wurden zunehmend durch Objektbetrachtung, aber auch immer wieder erinnerungsbasiert oder imaginär generiert, das photografische Vorbildmaterial abgelöst durch unbewusste Innenbilder und Archetypen, Nabelschau, einem Zurückgeworfen-werden auf den Körper, und der Vorstellung, die wir von unserem Körperinneren ausserhalb von medizinischer Bildgebung haben.

Und so schlängelnden sich in den neuen Arbeiten Schläuche und Wülste durch die Bilder, die Ähnlichkeiten mit Strukturen haben, die sich im menschlichen Körper finden lassen. Es geht um das Bauchgefühl. Und das ist dezidiert positiv: die Bilder in der aktuellen Ausstellung sind monochromatischer und pastellfarbener geworden, Licht spielt eine wichtigere Rolle, die Formen scheinen zu tanzen. Vereinzelt wird sogar die Arbeit nach fotografischem Material, die Aussenbetrachtung durch die Machine, wieder zugelassen: die „Studie nach Karl Blossfeld 2“, die in Gänze auf einer Vorlage des berühmten Fotografen basiert, bildet einen Kontrapunkt zu den imaginär generierten Bildern in der Ausstellung. Das Mission Statement der Künstlerin bleibt dabei, Gemälde zu kreieren, die eine Stimmung transportieren, nach eigenen Gesetzen funktionieren und sich selbst erfinden. Hierbei lockt sie uns in Geäst aus matschig bis bonbonbunter Ölfarbe, baut Spannungsbögen zwischen Ordnung und Chaos auf, lässt eine ganz eigene visuelle Syntax entstehen. Und während sie so ihre Leinwände mit unzähligen Mikroentscheidungen oder manchmal eben auch grösseren Gesten überzieht, entsteht Schicht für Schicht eine Malerei, die einen nicht mehr richtig loslassen will.

E.M.C. Collard 2019.

Während des AtelierFrankfurt Open Doors Event am 23. und 24.11. hat die Ausstellung an beiden Tagen jeweils von 14-19 Uhr geöffnet.

Ansonsten nach Vereinbarung: Bitte einen Tag vorher über newnowartspace@gmail.com anmelden.

NEW NOW art space
Schwedlerstrasse 1
60314 Frankfurt am Main

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