KERSTIN CMELKA

*1974, Mödling / Österreich

Studium an der Städelschule seit 1999, Klasse Prof. Thomas Bayrle

“Gut, dass Damian noch so klein ist...”

Computerprints

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In den fünfziger Jahren begannen die Skandalzeitschriften in Italien außerordentlich populär zu werden; mit ihnen entstand eine neue Sorte von Photographen: die Paparazzi. Sie bedienen sich der Teleobjektive, um bekannte Persönlichkeiten in ihrem Privatleben zu photographieren. Die Teleobjektive, mit denen man aus weiter Ferne Aufnahmen machen kann, wurden besonders im zweiten Weltkrieg erheblich verbessert. Die deutsche Armee bediente sich ihrer für Spionagezwecke, um zum Beispiel die englische Küste zu photographieren. Sie wurden durch die Raumfahrtwissenschaft noch erheblich verbessert. Fellini zeigt diese Photographen an der Arbeit in seinem Film „La dolce vita“, der eine gewisse römische Gesellschaft anprangert, die aus korrupten Müßiggängern besteht. Die Sensationspresse, die „Regenbogenpresse“, wie sie in Deutschland genannt wird, gibt es in allen kapitalistischen Ländern, nicht dagegen in denen des Ostblocks, wo sie als unmoralisch gilt. Auch in Frankreich verkaufen sich Zeitungen dieses Genres, wie France - Dimanche, Ici - Paris, Noir et Blanc. Diese Presse lebt hauptsächlich von Klatsch und Liebesgeschichten und ist ständig auf der Suche nach Photos, die sie teuer bezahlt. Gegenstand dieser Artikel sind vor allem Filmstars wie Liz Taylor, Brigitte Bardot, Zsa Zsa Gabor usw., reiche Geschäftsleute wie Patino, der „Zinnkönig“, oder die Prinzessinnen wie Soroya, Margaret von England, Grace Kelly, die Frau von Fürst Rainer oder Farah Diba, und dann auch die Playboys. Diese „Prominenz“ wird dauernd von Paparazzi überwacht, die sich Tag und Nacht unauffällig vor den Häusern, den Hotels und den modischen Nachtlokalen aufhalten, wo sie die besten Chancen haben, ihre Opfer zu überraschen. Diese Presse hat Millionen unersättlicher Leser und vor allem Leserinnen. Das Privatleben und die Liebesaffären der reichen und berühmten Persönlichkeiten zu kennen, erlaubt einem, davon zu träumen und die eigene, oft mittelmäßige Existenz zu vergessen. Diese Presse dient auch als Ventil für die Hassgefühle, die aus den Alltagsproblemen entstehen. Selbst wenn man das leben dieser Kreise beneidet, so fühlt man sich doch gleichzeitig über sie erhaben. In vielen Fällen machen die Paparazzi ihre Bilder mit dem Einverständnis der Beteiligten. Wenn ein Photograph in diesem Milieu bekannt ist, wird der oft von den Betreffenden selbst, ihren Webeagenten und Pressebeauftragten im voraus über ein Ereignis, ein Treffen oder die Anwesenheit einer bestimmten Person an einem bestimmten Ort verständigt. Die Fälle sind selten, in denen es zum Prozess kommt. (...)

Aus: Gisèle Freund, „Die Skandalpresse“ in „Photographie und Gesellschaft“; 1979


- Du hast ja meinen Vater schon kennen gelernt, Paparazzo! (...)
-Was sind Sie? Fotograf? Fotoreporter?
Aha, eine interessante Arbeit, eine künstlerische Arbeit im gewissen Sinne. Sie arbeiten wohl mit meinem Sohn zusammen?
- Ja, ich bin leider auf ihn reingefallen.
- Bravo!
- Sag´ mal Marcello, hast Du eine Ahnung, wo sich der Prinz rumtreibt? Ich wollte ihn gerade schießen, da ist er mir wieder entwischt.
Ich werd´ mich hier ein bisschen umsehen. (...)
- Weißt Du, hier trifft man alle Leute, die für uns interessant sind. Man hört dies und das, man macht n´ Foto, meine Zeitung ist gleich hier oben...
- Verstehe. Im Grunde genommen sitzt ihr bloß hier rum, ha? (...)
- Ich will mal sehen, ob ich ihn im Spiegel schießen kann. Vielleicht können wir ihn erwischen, wenn er gerade zu sich kommt.
- Kommen Sie! Kommen Sie! Runter von der Gangway!
- Ich will doch nur einen Schuss machen, einen einzigen! Lassen Sie mich los! Ihr seid ja schlimmer als die Polizei!
- Sag´ mal, kennst Du die?
- Ja.
- Sieht aus wie ne Schauspielerin.
- Schauspielerin! Das möchte sie gerne sein, Signor Rubini, das ist eine kleine Komparsin!
- Hm.

Aus: Federico Fellini, „La dolce vita“, 1960

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